Camerino gab es schon im 5. Jahrhundert v. Chr. Es ist eine kleine Stadt (ca. 7000 Einw.) mit einer reichen und abwechselnden Geschichte. Die alten Römer haben Camerino nie erobert, sondern es war immer ein Verbündeter Roms, deren Bürger das römische Bürgerrecht hatten. Im Spätmittelalter eroberte Cesare Borgia kurz Camerino (1502/03), bevor die angestammten Fürsten Varano es wieder erlangten. Das Städtchen ist stolz auf seine kleine aber feine Universität - eine der ältesten Italiens (gegründet 1377) - mit, neben der traditionsreichen Jurafakultät, Fakultäten für Mathematik, Naturwissenschaften, Physik und Biologie, Geologie und Umweltstudien, Veterinärmedizin und Architektur.

Neben der Kathedrale und der San Venanzo-Basilika (dem Schutzpatron geweiht), ist das Diözesan-Museum sicher einem Besuch wert. Das Städtische Museum (Museo Civico) besitzt eine kleine, aber erlesene Kunstkollektion, sowie auch Abteilungen, die den örtlichen archäologischen Funden und den Naturwissenschaften gewidmet sind. Das Ganze ist im früheren Kloster San Domenico untergebracht.

Die Stadt hat ein klitzekleines Theater, das "Teatro Marchetti" - im 19. Jahrhundert der Mailänder Scala nachgebaut - wo es sowohl im Sommer, als auch im Winter eine Konzertsaison gibt - und viele Vorstellungen zwischendurch.

Der frühere Palast der Fürsten Varano (jetzt Sitz der Jurafakultät der Uni) ist aus räumlichen Gründen in die Stadtmauern hineingebaut. 30 m darunter liegt der Botanische Garten.


Camerino, Der Fürstliche Palast
vom Botanischen Garten aus gesehen

Wenn man durch die engen Straßen und Gassen geht, wähnt man sich oft im Mittelalter, doch gibt es genügend Gelegenheit, in den Kaffeebars einen Espresso zu trinken, ein Gebäck zu verspeisen und zu sehen und gesehen zu werden. Wer Camerino in seinem farbenprächtigsten Kleid sehen will, muss Mitte Mai kommen, Dann findet das große Volksfest statt, der Corso della Spada, Da gibt es Prozessionen, Musik, improvisierte mittelalterliche Gasthäuser und sportliche Ereignisse mit dem Schwerterlauf als Höhepunkt, einem Rennen - zu Fuß - quer durch die Stadt. Und das alles in mittelalterlichen Kostümen!

Das Essen ist für die "Camerinesi" eine wichtige Sache und in den kleinen Läden ist man immer gern bereit, die Waren zu erläutern - wo sie herkommen, wer sie gemacht hat, welches die Grundstoffe sind, wann sie wie frisch ins Geschäft gekommen sind - Pasta, Pecorino, Ricotta und Salamis werden in den Orten nahe der Stadt hergestellt, meist noch auf handwerkliche Art. Die größte Delikatesse aber ist der "Ciauscolo" - (eine Art weicher Wurst). Bäckereien verkaufen nicht nur verschiedene Arten Brot, sondern auch köstliche Kuchen und herrliches Gebäck, verschieden je nach der Jahreszeit. Vegetarier freuen sich über das reichhaltige Angebot an Käsesorten (Ricottas und Pecorinos) und auch über die Trüffelgerichte in den Restaurants. Alljährlich gibt es im November ein Trüffelfest, mit Vorlesungen und einer Ausstellung, wo man alles Interessante über diese faszinierende Delikatesse erfahren kann. Ein anderes empfehlenswertes Gericht sind Linsen, die in der Nähe - in Colfiorito und Castelluccio - in bester Qualität, aber in begrenzter Menge, angebaut werden.

Die örtlichen Weinbauern machen ausgezeichneten Rot- und Weißwein, der auch international immer bekannter wird. Sie zeigen Ihnen gern ihre Keller und bieten Ihnen eine Probe an.

Die Brennerei Varnelli macht vorzügliche Liköre (aus Bergkräutern!), die Sie in jeder Kaffeebar und allen Restaurants kosten können.

Eine freundliche kleine Stadt, in der jeder gern einem fremden Besucher hilft.


Bar Centrale


Camerino von Sant'Erasmo aus gesehen